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Ein Plädoyer für mehr Design

Tim BruystenTim Bruysten ist als Diplom Designer, Lehrbeauftrager an der FH-Aachen und der Hogeschool Zuyd Maastricht, sowie geschäftsführender Gesellschafter und Creative Director der richtwert GmbH ein Experte in Sachen Design und Usability. Er betont in seinem Plädoyer die Wichtigkeit eines guten Webdesigns und erklärt was ein gutes Design ausmacht.

Teil 1: Ist gutes Design ein „Nice to have“?

Hinter diese Frage steckt häufig eine andere versteckt: Hat gutes Design einen „Return on Invest“? Unternehmer wollen wissen, ob sie Geld verschwenden, wenn sie ihrer Agentur bei Spielereien und Shiny-Buttons freien Lauf lassen. Zählt nicht schließlich zunächst einmal, dass die Website funktioniert? Das eine Bestellung sicher abgewickelt werden kann und das gesetzliche Vorgaben eingehalten werden?

Nun, ich halte diese Fragen und Abwägungen für durchaus berechtigt. Wenn ich beim Arzt sitze und er mir eine langwierige Therapie empfiehlt, stelle ich ja auch Fragen dazu und informiere mich. Doch am Ende zählt eines: Der Arzt ist der Profi. Und wenn ich gesund werden will, muss ich mir einen Arzt suchen, dem ich vertrauen kann.

Erstaunlicherweise erscheint die Aufgabe sich einen vertrauenswürdigen Partner zu suchen, bei Designfragen schwieriger als bei Gesundheitsfragen. Denn wer sich „Dr. med.“ nennt, hat zumindest eine lange Ausbildung hinter sich. Designer hingegen darf sich jeder nennen. Und erstaunlich viele tun dies, ohne eine entsprechende Ausbildung oder Genius vorweisen zu können. Folglich ist kritisches Nachfragen durchaus richtig.

Teil 2: Ist gutes Design ein „Nice to have“?

Nein. Gutes Design ist so notwendig wie gutes Benehmen. Und sagt so viel über den Träger, wie es schlechte Tischmanieren oder Unhöflichkeit tun. Es geht bei gutem Design jedoch nicht darum, eine Website am Ende noch hübsch zu machen. Bei gutem Design geht es darum, einem Kunden, einem Gast, einem Besucher eine gute Erfahrung zu bescheren, ihn zu leiten und zu einem Kauf zu bewegen…

Doch wie jede Beziehung beginnt auch im Web der erste Kontakt mit einem ersten Eindruck. Wer bei einem Date punkten will, wird sich bemühen einen guten Eindruck zu machen. Dazu gehört Körperhygiene, frischer Atem… Bei einer Website ist dies nicht anders. Doch jeder weiß, dass dies alleine nicht reicht. Für ein erfolgreiches Date gehört, sich auf das Gegenüber einzustellen, die richtigen Worte zu finden, den richtigen roten Faden zu spinnen und das richtige Quäntchen Humor anzubringen.

Genauso verhält es sich auch mit einer Website. Stellen Sie sich einfach vor, Ihre Website hätte ein Date mit Ihren Kunden. Und dann bereiten Sie sie darauf vor. Im Folgenden ein paar erste Ideen, was dies in die Welt von Websites übertragen bedeutet.

Einfach gut aussehen

Ein freundliches Willkommen, eine aufgeräumte Darstellung… das ist kein Selbstzweck von ausgeflippten Graphikern, sondern basiert auf grundlegenden Erkenntnissen über Menschen. Menschen lernen einfach besser (zum Beispiel den Umgang mit einer neuen Website), wenn ein paar einfache Regeln befolgt sind.

Erstens, Menschen lernen besser, wenn sie ihre Welt ordnen können, wenn Differenzierungen möglich sind. Was ist Navigation, was ist eine Produktbeschreibung, was ist ein redaktioneller Content, was ist ein Feedback – Element. Aber auch: Was für Typen von Buttons gibt es? Welche formale Bedeutung haben diese…

Zweitens, Gewohnheit. Menschen lernen effektiver, wenn sie Dinge nur einmal lernen müssen. Wenn Buttons vom gleichen Aktions-Typus auch gleich gestaltet sind, sich aber von allen anderen deutlich abheben, kann sich der Benutzer darauf verlassen, was für eine Art von Aktion bei welchem Knopfdruck geschieht. Das Web selbst ist schon heterogen genug, da darf innerhalb einer Website ruhig auf Konsistenz geachtet werden.

Als letzter Punkt folgt hier: Schönheit. Wie die ersten beiden Punkte auch, geht dies auf klare Ergebnisse der Neurobiologie und der Psychologie zurück. Steckt der Mensch in einer angenehmen Umgebung, so sorgt sein Gehirn durch die Ausschüttung von Dopamin dafür, dass Synapsen schneller wachsen können – grob zusammengefasst. Einen Vorgang, den man umgangssprachlich Lernen nennt.

Die gleiche Sprache sprechen

Beim Interfacedesign die gleiche Sprache zu sprechen bedeutet, sich auf den Besucher einzustellen. Sind die Bezeichnungen für die Navigation, Buttons, Formulare, Labels usw. verständlich? Aber auch: Ist der Aufbau der Website an sich verständlich? Entspricht die Reihenfolge, in der der Nutzer sich zum Beispiel in einem Shop zu einem Artikel und von dort zu Kasse bewegen muss, einer verständlichen Logik?

Zahlreiche Grammatiken spielen hier mit. Und sie spielen in jedem Fall mit. Man kann sich nicht entscheiden, kein Interfacedesign zu machen. Man kann sich nur entschließen, hier nicht konzeptionell vorzugehen.

Ein Interfacedesign wird eine Website aber in jedem Fall haben. Im Zweifel ein schlechtes. Dies jedoch führt zu Frust, führt dazu, dass einem Kauf kein zweiter folgt, dass Nutzer sich nicht gern auf einer Website aufhalten und folglich so schnell wie möglich weiter ziehen. Und dabei dann eventuell nicht über weitere interessante Dinge stolpern. Ob dies nun Dienstleistungen, Produkte, ein genialer Blog-Artikel oder einfach nur Kontaktinformationen sind.

Eine Taktik verfolgen

Ist Ihr Besucher einmal auf Ihrer Website, ist das Warum ganz egal. Nun zählt an erster Stelle das Wozu. Was möchten Sie, dass ihr Besucher auf der Website tut? Auf der anderen Seite: Was könnten verschiedene Nutzertypen für Ziele auf Ihrer Website verfolgen?

Je schneller Sie den Besuchern Ihrer Website vermitteln können, dass zwischen Ihren Zielen und denen der Besucher eine hohe Übereinstimmung besteht, desto weniger Besucher werden „einfach weiterklicken“.

Dies kann man nur gezielt leisten, in dem man sich zunächst über Benutzertypen klar wird. Personas sind eine Möglichkeit, dies zu beginnen. Wissen Sie über Ihre Nutzer Bescheid, ist es viel einfacher die richtige Sprache zu sprechen. Auch müssen Sie dann nicht raten, welche Ästhetik zu Ihren Kunden passen könnte. Sie können zumindest ein gutes Stück weit wissen, wie sie Ihre Besucher ansprechen können. In Sprache, Raster, Farbe… Layout.

Werden Sie sich erst über die Ziele Ihrer Benutzer, sowie Ihre eigenen Ziele mit Ihrer Website klar. Geht es darum, möglichst viele Besucher zu haben? Oder darum langfristig möglichst viel Umsatz zu tätigen? Diese zwei Möglichkeiten können, müssen aber nicht zwangsläufig miteinander korrespondieren.

Überlegen Sie, wie Ihre Website aussehen muss, damit die Ziele Ihre Besucher möglichst leicht erfüllt werden können. Und suchen Sie sich danach die Technik-Umgebung aus, mit der Sie diese Ziele am besten erreichen können. Wie bei einem guten Date. Die passende Kleidung (= Produktionsmittel) kann man nur wählen, wenn man schon weiß, wo es hingeht. Mit dem Smoking auf einer Rheinwiese zu picknicken ist einfach albern ;-)

Erfolgserlebnisse teilen

Besser als erwartet… Das ist die Königsdisziplin. Wenn Sie in ein oder zwei Punkten die Erwartungen Ihrer Kunden nicht nur erfüllen, sondern sogar übertreffen, werden Sie keine Kunden, sondern Fans haben. Fans, die Sie weiterempfehlen, die von Ihnen schwärmen, die andere zu Ihnen mitbringen und die stets und treu zu Ihnen zurückkehren.

Erfolgserlebnisse können Sie aktiv inszenieren und wie Brotkrumen auf dem Weg zum Ziel streuen. Auf dem Weg zu Ihrem Ziel.

Fazit

Der Kreis schließt sich. Sie – bzw. Ihre Website sieht gut aus, Sie sprechen eine Sprache, die Ihre Kunden verstehen, Sie haben eine Taktik und ein Ziel und sind sich der Ziele Ihrer Besucher bewusst. Dem Erfolg steht also nichts mehr im Wege?

Nun ja, auf den Inhalt kommt es schließlich auch noch an. Dies hier ist also kein Erfolgsrezept für zum Scheitern verurteilte. Aber der beste Kerl wird ewig einsam bleiben, wenn er es nicht zeigen kann, dass er der bester Kerl ist.

Die Nutzung von Designmethoden, wie oben angerissen, kann Ihnen dabei helfen, Ihre Kunden genau den Kerl zu präsentieren, den Ihre Kunden gern zum Freund haben möchten. Und dazu gehört eben gutes Aussehen, aber auch noch viel mehr. Ein echter Designanspruch eben.

Doch nicht zu unrecht gibt es Profis. So wie Sie sich nicht selbst operieren, sollten Sie auch bei Kommunikations- und Designfragen jemanden fragen, der sich mit sowas auskennt. Natürlich wird derjenige einen Preis dafür verlangen und natürlich kann man überlegen, wie weit man je nach Projekt ins Detail gehen sollte oder ab wann eine Lösung gut genug ist. Ohne einen Profi bleibt diese Grenzen aber geraten.

Und wo bleibt der Return on Invest?

Nun, keiner kann Ihnen versprechen, dass Sie 37,69 Prozent mehr Umsatz machen werden, wenn Sie eine gut gestaltete, benutzerfreundliche, barrierefreie und durchdachte Website haben. Auch kann keiner behaupten, dass dies dann schon alles wäre.

Eine Website oder ein Blog für sich allein kann reichen. Muss es aber nicht. Vielleicht brauchen Sie auch gar keine Website, sondern eine Facebook-Applikation? Oder eine App fürs iPhone?

Eine Investition in eine gute Kommunikation mit Ihren Kunden wird sich aber auf jeden Fall lohnen. Vielleicht auf ganz andere Art und Weise als Sie erwartet haben. Vielleicht bringt Ihnen alleine ein organisiertes oder strukturiertes Zuhören (neudeutsch: Monitoring) schon einen wesentlichen Antrieb zu neuen Ideen – ein aktiver Dialog mit Ihren Kunden kann Ihre Innovationskraft ungemein fördern.

Es kann aber auch sein, dass es sich einfach nur in besseren Absatzzahlen niederschlägt wenn Sie darauf achten, dass sich Ihre Kunden bei Ihnen wohlfühlen.

Ein Gastbeitrag von Tim Bruysten

Diplom Designer

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1 Kommentar

  1. […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Tim Bruysten, Jonas Spathelf erwähnt. Jonas Spathelf sagte: New blog post: Ein Plädoyer für mehr Design http://bit.ly/6xLTJX […]

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